Schweizer Bürobedarf-Handel im Wandel: Office World setzt auf Online-Plattform

10.03.2026


Die Office World Group stellt ihr gesamtes Filialgeschäft in der Schweiz bis zum Frühjahr 2027 etappenweise ein. Von dieser Entscheidung sind alle zehn verbliebenen Standorte des Bürobedarf-Händlers betroffen, was zum Verlust von 45 Vollzeitstellen führt. Die Mitarbeitenden wurden bereits über die anstehenden Schließungen informiert. Das Unternehmen reagiert damit auf veränderte Einkaufsgewohnheiten, bei denen Kunden Büroartikel zunehmend online bestellen, während die Umsätze in den Ladengeschäften zurückgehen.

Dominik Engeler, Leiter des Filialgeschäfts von Office World, begründet die Entscheidung mit wirtschaftlichen Erwägungen. "Es ist eine bittere Wahrheit: Doch längerfristig weisen die Ausgaben und Einnahmen in unserem stationären Geschäft schlicht kein gesundes Verhältnis mehr auf. Das hat bedauerliche Konsequenzen", erklärt Engeler. Das Unternehmen will die betroffenen Mitarbeitenden bei der Suche nach neuen Stellen innerhalb oder außerhalb der Firmengruppe unterstützen.

Die Schließungen erfolgen über einen Zeitraum von gut einem Jahr verteilt. Laut Unternehmensangaben schließt die Filiale in St. Gallen Ende Juni 2026, gefolgt von Regensdorf Ende September 2026. Im Oktober 2026 sind die Standorte Pratteln und Zürich Glattzentrum vorgesehen, im Dezember 2026 Lausanne. Ende Februar 2027 sollen Basel Dreispitz, Luzern, Steinhausen und Zürich Altstetten folgen. Die letzte Filiale in Genf stellt ihren Betrieb Ende April 2027 ein.

Zukünftig konzentriert sich die Office World Group primär auf ihre Online-Plattform www.officeworld.ch. Mit einem Sortiment von rund 60.000 Artikeln will sich das Unternehmen als reiner Digitalanbieter und Dienstleister für Bürobedarf in der Schweiz positionieren. Bereits Anfang 2026 wurden die Filialen in Sursee, Bern und Winterthur geschlossen, wobei für einen Teil der damals betroffenen Mitarbeitenden Anschlusslösungen gefunden werden konnten.

Starkes Jahr 2025 für Zalando: zweistelliges Wachstum, Kostenschnitte in der Logistik

13.03.2026


Zalando hat 2025 kräftig zugelegt und seine eigenen Ziele am oberen Ende der Spannen erreicht. Der Umsatz des im DAX notierten Online-Modehändlers stieg um 16,8 Prozent auf 12,35 Milliarden Euro und lag damit leicht über den Markterwartungen. Das Bruttowarenvolumen (GMV) kletterte um 14,7 Prozent auf 17,56 Milliarden Euro. Rückenwind bekam das Geschäft vor allem durch die Übernahme des Konkurrenten About You sowie den verstärkten Einsatz Künstlicher Intelligenz in Vertrieb und Plattformsteuerung.

Operativ verbesserte sich Zalando ebenfalls: Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) erhöhte sich auf 591 Millionen Euro nach 511 Millionen Euro im Vorjahr, die Marge blieb mit 4,8 Prozent stabil und leicht über den Analystenprognosen. Unter dem Strich sank der Gewinn jedoch auf 213 Millionen Euro von zuvor 251 Millionen Euro und verfehlte damit die Erwartungen. Für das laufende Jahr stellt das Management ein weiteres Wachstum von 12 bis 17 Prozent bei GMV und Umsatz in Aussicht; das bereinigte EBIT soll auf 660 bis 740 Millionen Euro steigen. Die mittelfristigen Ziele bis 2028 – jährliche Zuwächse von 8 bis 13 Prozent bei Umsatz und GMV sowie eine EBIT-Marge von 6 bis 8 Prozent – wurden bestätigt, die angepeilten jährlichen Synergien aus der About-You-Übernahme von 100 Millionen Euro sollen bereits 2028 und damit ein Jahr früher erreicht sein.

An der Börse sorgte vor allem die Kapitalmarktpolitik für Auftrieb. Der Konzern kündigte ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu 300 Millionen Euro an, das bis Ende Juli laufen soll. Die Aktie legte im Tagesverlauf zweistellig zu und notierte zeitweise rund elf Prozent höher bei 22,35 Euro. Damit reagierte der Markt positiv auf die Kombination aus besser als erwarteten operativen Kennzahlen, bestätigtem Wachstumskurs und der Ankündigung, überschüssiges Kapital an die Anteilseigner zurückzuführen – obwohl die Zalando-Papiere seit Jahresbeginn deutlich im Minus liegen und in den vergangenen zwölf Monaten rund ein Drittel an Wert verloren haben. Analysten hoben neben dem Rückkauf insbesondere die Rolle von KI und das Konzept des sogenannten Agentic Commerce als nächste Entwicklungsstufe des Onlinehandels hervor.

Überschattet werden die guten Zahlen von strukturellen Einschnitten im Logistiknetz. Im Zuge der Integration von About You will Zalando vier Logistikzentren in Europa schließen, darunter den Standort Erfurt mit rund 2.700 Beschäftigten. Co-Chef David Schröter sprach von einer der schwersten, zugleich aber notwendigen Entscheidungen, um die Kapazitäten an den künftigen Wachstumsbedarf anzupassen. Das Unternehmen verhandelt nach eigenen Angaben mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan, bietet Versetzungen an andere Standorte an und arbeitet mit der örtlichen Arbeitsagentur zusammen. Weitere Maßnahmen über die bereits angekündigten Schließungen hinaus soll es dem Management zufolge nicht geben; aus der Thüringer Landespolitik kommt dennoch Kritik an der Entscheidung.