Newcastle-Krankheit stellt Geflügelbetriebe in Brandenburg vor existenzielle Risiken

27.03.2026


Die Newcastle-Krankheit breitet sich in Brandenburg weiter aus und entwickelt sich zu einem der schwersten Tierseuchenausbrüche in der Geflügelwirtschaft seit Jahrzehnten. Nach Angaben des Agrarministeriums wurden in den Landkreisen Dahme-Spreewald und Oder-Spree erneut Infektionen in Geflügelbetrieben festgestellt. Insgesamt sind damit 14 Fälle in Brandenburg registriert. Die hoch ansteckende Viruserkrankung betrifft vor allem Vögel und zwingt die Behörden zu massenhaften Keulungen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

Bisher mussten in Brandenburg rund 2,1 Millionen Tiere getötet werden. Mit den jüngsten Ausbrüchen kommen mehr als 300.000 weitere Tiere hinzu. Besonders betroffen ist ein Masthähnchenbetrieb im Landkreis Oder-Spree mit etwa 70.000 Tieren, bei denen die Krankheit nach Ministeriumsangaben nachgewiesen wurde. In Dahme-Spreewald wurde die Newcastle-Krankheit in einem bereits betroffenen Unternehmen nun auch in sechs weiteren Stallanlagen mit jeweils rund 40.000 Tieren amtlich festgestellt. Dort sollen rund 240.000 Tiere getötet werden. Ein derart großflächiger Ausbruch wurde in Deutschland zuletzt vor rund 30 Jahren verzeichnet.

Der Landkreis Dahme-Spreewald spricht von einer emotional und wirtschaftlich extrem belastenden Situation. „Die Ereignisse der vergangenen Wochen erschüttern uns alle tief“, heißt es in einer Mitteilung. „Nun jetzt auch den letzten Stall des Geflügelbetriebes in Bestensee aufgeben zu müssen und die Tötung der Tiere anzuordnen, ist ein schwerer und schmerzlicher Schritt für uns alle.“ Der vollständige Befall des Geflügelbestandes durch die Newcastle-Krankheit stelle den Betrieb vor immense wirtschaftliche Herausforderungen. In Dahme-Spreewald allein wurden bislang etwa 1,36 Millionen Tiere gekeult; neben größeren Agrarbetrieben sind auch vier Kleinsttierhalter in Bestensee, Zeesen und Mittenwalde betroffen.

Die Behörden arbeiten daran, die Ausbreitungswege der Tierseuche nachzuvollziehen, darunter die Bewegungen von Tieren und tierischen Produkten zwischen den betroffenen Betrieben und Regionen. Ziel ist es, Infektionsketten zu identifizieren und weitere Ausbrüche einzudämmen. Der aktuelle Fall unterstreicht die Anfälligkeit der stark konzentrierten Geflügelhaltung für Seuchenereignisse und erhöht den Druck auf Betriebe und Aufsichtsbehörden, Biosicherheitsmaßnahmen konsequent umzusetzen.

Wankelmütige US-Iran-Politik bremst Risikofreude an den Börsen

27.03.2026


Die anhaltende Unsicherheit rund um den Iran-Krieg hat den deutschen Aktienmarkt am Dienstag in eine Wartestellung gezwungen. Nach einem zunächst freundlichen Start mit leichten Zugewinnen von 0,14 Prozent auf 22.684 Punkte drehte der Dax im Tagesverlauf ins Minus und schloss 0,07 Prozent tiefer bei 22.636,91 Zählern. Viele Investoren mieden angesichts der angespannten Lage im Nahen Osten neue Engagements und positionierten sich an der Seitenlinie. Bereits am Montag war der Leitindex zeitweise deutlich unter die Marke von 22.000 Punkten gefallen und hatte den niedrigsten Stand seit rund elf Monaten markiert.

Auslöser der Nervosität bleibt der Konflikt mit Iran. Eine zunächst für Erleichterung sorgende Kurznachricht von US-Präsident Donald Trump zu einem möglichen Abkommen hatte die Verluste zu Wochenbeginn nur vorübergehend begrenzt. Im weiteren Verlauf überwogen wieder widersprüchliche Signale aus Teheran und Washington, während es in der Golfregion in der Nacht zu weiteren Angriffen kam. Der Ölpreis blieb unterdessen erhöht: Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete weiter mehr als 100 US-Dollar und unterstreicht damit die Sorgen des Marktes vor möglichen Lieferstörungen und anhaltend höheren Energiekosten.

Die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der US-Iran-Politik prägt auch die Risikoabwägung professioneller Marktteilnehmer. Nachdem Trump ein Ultimatum für Angriffe auf iranische Energieanlagen verlängert hatte, griff Börsenbrief-Autor Hans Bernecker erneut den sogenannten „TACO-Trade“ auf – „Trump Always Chickens Out“. Der Begriff spiegelt die Erwartung wider, dass der US-Präsident bei scharfen Drohungen wiederholt zurückrudert. Bernecker sieht zugleich ein großes Fragezeichen hinter der Annahme eines raschen Kriegsendes im Iran, was die derzeit hohe Volatilität und die Zurückhaltung an den Aktienmärkten zusätzlich erklärt.

Auf der Ebene einzelner Werte stand der Dax vor allem wegen SAP unter Druck. Die Aktien des Softwarekonzerns fielen nach einer Abstufung durch die US-Bank JPMorgan um 4,1 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit Januar 2024. Analyst Toby Ogg begründete den Schritt damit, dass sich das bisherige Bild einer beschleunigten Wachstumsdynamik und steigender Margen bei SAP eingetrübt habe. Auch Bayer-Titel gaben nach und verloren 1,9 Prozent. Im Umfeld der deutschen Standardwerte trug damit vor allem die Schwäche bei den Schwergewichten dazu bei, dass der Leitindex seine zwischenzeitlichen Gewinne nicht halten konnte.

Im europäischen Vergleich zeigte sich der deutsche Markt damit eher verhalten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 legte um 0,1 Prozent zu, während der britische FTSE 100 um 0,7 Prozent und der Schweizer SMI um 1,0 Prozent anstiegen. In den USA notierte der Dow Jones Industrial zuletzt 0,1 Prozent höher. Der MDax der mittelgroßen Werte verlor dagegen 0,37 Prozent auf 28.125,11 Punkte. Insgesamt dominierte in Frankfurt die Vorsicht: Geopolitische Risiken, ein dauerhaft hoher Ölpreis und unternehmensspezifische Belastungsfaktoren ließen viele Anleger abwarten, ob die jüngste Zwischenerholung nur ein Strohfeuer bleibt oder den Auftakt zu einer stabileren Marktphase markiert.