Nach Baumers Verzicht: Zweiter Wahlgang in Zürich wird zur Formsache für Golta

16.03.2026


Der Zürcher FDP-Stadtrat Michael Baumer verzichtet auf eine Kandidatur für das Stadtpräsidium und will stattdessen im Departement der Industriellen Betriebe bleiben. Damit schwinden die Aussichten auf einen ernsthaften bürgerlichen Gegenkandidaten für den SP-Politiker Raphael Golta im zweiten Wahlgang am 10. Mai deutlich. Baumer erklärte, er könne in seinem heutigen Ressort «konkret etwas für die Stadt Zürich bewegen» und wolle laufende Projekte konsequent vorantreiben.

Ob Baumer sein bisheriges Departement in der neuen Legislatur tatsächlich behalten kann, ist allerdings offen. Parlamentarierinnen und Parlamentarier der linken Parteien haben ihre Stadträte bereits aufgefordert, Gespräche über eine Neuverteilung der Ressorts aufzunehmen. Dies könnte zu Verschiebungen in der Stadtregierung führen, unabhängig vom Ausgang der Präsidiumswahl.

Die FDP steht nach dem Entscheid ohne eigene Kandidatur für das höchste Stadtamt da. Ihr ursprünglicher Anwärter, Përparim Avdili, verpasste den Einzug in den Stadtrat und ist damit für den zweiten Wahlgang nicht wählbar. Die Partei will keine Wahlempfehlung abgeben. Damit fällt eine koordinierte Unterstützung für einen bürgerlichen Schulterschluss weg. Auch der GLP-Stadtrat Andreas Hauri, der als weiterer potenzieller Herausforderer Goltas gehandelt wurde, hat klar gemacht, dass er das Gesundheits- und Umweltdepartement weiterführen will.

Für Golta verbessert sich die Ausgangslage damit deutlich, auch wenn eine stille Wahl rechtlich nicht möglich ist. Im ersten Wahlgang am 8. März verpasste er das absolute Mehr von 57'562 Stimmen um 2'730 Stimmen. Avdili kam als stärkster Herausforderer auf 28'053 Stimmen, der SVP-Kandidat Ueli Bamert auf 15'072 und die GLP-Kandidatin Serap Kahriman auf 10'602 Stimmen. Deutlich abgeschlagen lagen Marcel Bühler (FL Züri) mit 944 und der Parteilose Peter Vetsch mit 409 Stimmen; auf weitere Vereinzelte entfielen 5'210 Stimmen. Ohne prominente Konkurrenz dürfte der zweite Wahlgang zur Bestätigung dieses Kräfteverhältnisses werden.

Endometriose im Norden: Diagnosezahlen ziehen in Städten deutlich an

16.03.2026


In Norddeutschland ist die Zahl der Endometriose-Diagnosen in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich gestiegen. Das geht aus einer Auswertung der Krankenkasse Barmer hervor, die anonyme Abrechnungsdaten ihrer Versicherten aus den Jahren 2005 bis 2024 analysiert hat. In Hamburg mehr als verfünffachte sich die Zahl der betroffenen Frauen von rund 2.500 auf mehr als 13.800. In Niedersachsen legten die Diagnosen von rund 22.000 auf gut 50.000 zu, in Schleswig-Holstein von etwa 5.000 auf rund 17.000. Mecklenburg-Vorpommern verzeichnete einen Anstieg von rund 3.500 auf mehr als 8.800 Fälle, in Bremen nahmen die Diagnosen von knapp 2.300 auf etwa 3.900 zu.

Die Barmer führt die Entwicklung vor allem auf ein gestiegenes Bewusstsein für die Erkrankung zurück. „Die Entwicklungen zeigen, dass Endometriose inzwischen bekannter ist und Beschwerden schneller ernst genommen werden“, sagte Anneke Riehl, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Schleswig-Holstein. Zugleich verweist die Krankenkasse auf deutliche regionale Unterschiede: In dicht besiedelten Räumen werde Endometriose häufiger diagnostiziert als in ländlichen Gebieten. Das deute darauf hin, dass Information und Sensibilisierung nicht überall gleichermaßen greifen.

Endometriose ist eine chronische Erkrankung, bei der Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutterhöhle wächst – häufig am Bauchfell, an den Eierstöcken oder am Darm. Leitsymptom sind Unterleibsschmerzen, die oft rund um die Regelblutung sowie während oder nach dem Geschlechtsverkehr auftreten. Die Erkrankung kann sich negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken. Nach Angaben der Barmer sind bei betroffenen Frauen zudem Begleiterkrankungen überdurchschnittlich häufig dokumentiert, darunter Bauch- und Beckenschmerzen, Migräne, Muskel-Skelett-Erkrankungen, depressive Episoden und Angststörungen.

Vertreterinnen der Barmer mahnen weitere Aufklärungsarbeit an. Viele Frauen hielten ihre Beschwerden weiterhin für gewöhnliche starke Regelschmerzen und suchten deshalb nicht frühzeitig ärztliche Hilfe, sagte Heike Sander, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Niedersachsen und Bremen. Entscheidend sei zudem, dass sich die Behandlung an der Lebenssituation der Patientinnen orientiere – etwa an der Familienplanung, der Mobilität oder der psychischen Gesundheit. Die deutlich gestiegenen Diagnosezahlen wertet die Kasse daher als Hinweis auf Fortschritte bei der Erkennung der Erkrankung, aber auch auf weiterhin bestehende Lücken in Versorgung und Information, vor allem außerhalb der Ballungsräume.