Dorfner soll Trendwende liefern: Jenoptik setzt auf Margenplus und Halbleiterbelebung

27.03.2026


Der Technologiekonzern Jenoptik blickt nach einem rückläufigen Geschäftsjahr wieder optimistischer nach vorn und stellt seinen Aktionären neben einer höheren Dividende eine Rückkehr auf den Wachstumspfad in Aussicht. Das erst vor kurzem in den MDax aufgestiegene Unternehmen aus Jena erwartet ab dem laufenden Jahr eine spürbare Belebung der Nachfrage, insbesondere im Bereich Halbleiterausrüstung. Trotz weiterhin schwer einzuschätzender makroökonomischer und politischer Rahmenbedingungen rechnet der Vorstand zudem mit Zuwächsen in den Kernmärkten Medizintechnik sowie Mess- und Verkehrstechnik.

2025 war das operative Ergebnis (Ebitda) von Jenoptik um gut 13 Prozent auf 192,5 Millionen Euro gesunken, der Umsatz schrumpfte um gut sechs Prozent auf 1,05 Milliarden Euro. Der Auftragseingang verringerte sich um mehr als drei Prozent auf knapp 993 Millionen Euro. Hauptgrund waren eine schwächere Nachfrage aus der Chip- und der Automobilindustrie. Für 2026 peilt der Konzern nun wieder ein Umsatzwachstum im einstelligen Prozentbereich an; von den Erlösen sollen 19 bis 21 Prozent als operatives Ergebnis (Ebitda) übrig bleiben, nach einer Marge von 18,4 Prozent im vergangenen Jahr.

Am Kapitalmarkt stoßen die neuen Zielmarken auf verhaltene Zustimmung. Nach Einschätzung von Analyst Henrik Paganetty vom Analysehaus Jefferies decken sich die Aussagen des Managements weitgehend mit den aktuellen Markterwartungen. Dem in Aussicht gestellten Ebitda-Margen-Korridor von 19 bis 21 Prozent steht eine Konsensschätzung von 20 Prozent gegenüber, beim Umsatz rechnen Analysten im Schnitt mit einem Plus von rund acht Prozent. Die angekündigte höhere Dividende soll zusätzlich Vertrauen bei den Anteilseignern schaffen.

Parallel zur strategischen Neuausrichtung stellt Jenoptik auch personell die Weichen neu. Nach dem überraschenden Abgang von Vorstandschef Stefan Traeger Mitte Februar ohne nähere Begründung soll spätestens im Oktober der Physiker Dominic Dorfner den Vorsitz des Vorstands übernehmen. Der Mittvierziger leitet derzeit noch den Leistungselektronikspezialisten Semikron Danfoss mit über 4.000 Beschäftigten und ist vom Aufsichtsrat für zunächst drei Jahre bestellt. Nach dem Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrats ist der Chefposten damit die zweite zentrale Führungsposition, die neu besetzt wird. Jenoptik, mit weltweit knapp 4.500 Mitarbeitern eines der wenigen börsennotierten Technologieunternehmen in Ostdeutschland, verbindet die personelle Neuaufstellung mit dem Anspruch, die avisierte Trendwende im operativen Geschäft umzusetzen.

Wankelmütige US-Iran-Politik bremst Risikofreude an den Börsen

27.03.2026


Die anhaltende Unsicherheit rund um den Iran-Krieg hat den deutschen Aktienmarkt am Dienstag in eine Wartestellung gezwungen. Nach einem zunächst freundlichen Start mit leichten Zugewinnen von 0,14 Prozent auf 22.684 Punkte drehte der Dax im Tagesverlauf ins Minus und schloss 0,07 Prozent tiefer bei 22.636,91 Zählern. Viele Investoren mieden angesichts der angespannten Lage im Nahen Osten neue Engagements und positionierten sich an der Seitenlinie. Bereits am Montag war der Leitindex zeitweise deutlich unter die Marke von 22.000 Punkten gefallen und hatte den niedrigsten Stand seit rund elf Monaten markiert.

Auslöser der Nervosität bleibt der Konflikt mit Iran. Eine zunächst für Erleichterung sorgende Kurznachricht von US-Präsident Donald Trump zu einem möglichen Abkommen hatte die Verluste zu Wochenbeginn nur vorübergehend begrenzt. Im weiteren Verlauf überwogen wieder widersprüchliche Signale aus Teheran und Washington, während es in der Golfregion in der Nacht zu weiteren Angriffen kam. Der Ölpreis blieb unterdessen erhöht: Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete weiter mehr als 100 US-Dollar und unterstreicht damit die Sorgen des Marktes vor möglichen Lieferstörungen und anhaltend höheren Energiekosten.

Die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der US-Iran-Politik prägt auch die Risikoabwägung professioneller Marktteilnehmer. Nachdem Trump ein Ultimatum für Angriffe auf iranische Energieanlagen verlängert hatte, griff Börsenbrief-Autor Hans Bernecker erneut den sogenannten „TACO-Trade“ auf – „Trump Always Chickens Out“. Der Begriff spiegelt die Erwartung wider, dass der US-Präsident bei scharfen Drohungen wiederholt zurückrudert. Bernecker sieht zugleich ein großes Fragezeichen hinter der Annahme eines raschen Kriegsendes im Iran, was die derzeit hohe Volatilität und die Zurückhaltung an den Aktienmärkten zusätzlich erklärt.

Auf der Ebene einzelner Werte stand der Dax vor allem wegen SAP unter Druck. Die Aktien des Softwarekonzerns fielen nach einer Abstufung durch die US-Bank JPMorgan um 4,1 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit Januar 2024. Analyst Toby Ogg begründete den Schritt damit, dass sich das bisherige Bild einer beschleunigten Wachstumsdynamik und steigender Margen bei SAP eingetrübt habe. Auch Bayer-Titel gaben nach und verloren 1,9 Prozent. Im Umfeld der deutschen Standardwerte trug damit vor allem die Schwäche bei den Schwergewichten dazu bei, dass der Leitindex seine zwischenzeitlichen Gewinne nicht halten konnte.

Im europäischen Vergleich zeigte sich der deutsche Markt damit eher verhalten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 legte um 0,1 Prozent zu, während der britische FTSE 100 um 0,7 Prozent und der Schweizer SMI um 1,0 Prozent anstiegen. In den USA notierte der Dow Jones Industrial zuletzt 0,1 Prozent höher. Der MDax der mittelgroßen Werte verlor dagegen 0,37 Prozent auf 28.125,11 Punkte. Insgesamt dominierte in Frankfurt die Vorsicht: Geopolitische Risiken, ein dauerhaft hoher Ölpreis und unternehmensspezifische Belastungsfaktoren ließen viele Anleger abwarten, ob die jüngste Zwischenerholung nur ein Strohfeuer bleibt oder den Auftakt zu einer stabileren Marktphase markiert.